Urologische Praxisklinik Ninos Ayo · Geseke & Brilon
Zentriertes Symbolbild einer Harnblase

Blase · Schmerzen · Frauengesundheit

Interstitielle Zystitis

Blasenschmerzsyndrom · IC/BPS

Wenn Blasenschmerzen dauerhaft bestehen

Das Blasenschmerzsyndrom (BPS), häufig auch interstitielle Zystitis (IC) genannt, ist eine chronische Erkrankung. Typisch sind Schmerzen, Druck oder Unwohlsein im Bereich der Blase, häufiger Harndrang und nächtliches Wasserlassen. Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine bakterielle Harnwegsinfektion oder eine andere erkennbare Erkrankung erklärt sie nicht.

Blasenschmerzen

Schmerzen können mit zunehmender Blasenfüllung stärker werden und nach dem Wasserlassen vorübergehend nachlassen.

Häufiger Harndrang

Häufiges Wasserlassen am Tag (Pollakisurie) und in der Nacht (Nykturie) sind mögliche Begleiterscheinungen.

Gezielte Abklärung

Die Diagnose erfordert eine sorgfältige Untersuchung und den Ausschluss anderer Ursachen.

Was bedeuten IC und BPS?

Die Bezeichnungen werden je nach Fachgesellschaft unterschiedlich verwendet. Das Blasenschmerzsyndrom beschreibt zunächst das Beschwerdebild. Eine interstitielle Zystitis kann mit charakteristischen Veränderungen der Blasenwand verbunden sein; solche Veränderungen sind jedoch nicht bei allen Betroffenen nachweisbar.

Definitionen der Fachgesellschaften

Die International Continence Society (ICS) beschreibt Schmerzen im Blasenbereich, die mit der Blasenfüllung zusammenhängen und von häufigem oder nächtlichem Wasserlassen begleitet werden. Eine nachgewiesene Infektion oder andere erkennbare Ursache fehlt.

Nach der von SUFU und AUA verwendeten Definition bestehen blasenbezogene Schmerzen, Druck oder Unwohlsein zusammen mit Beschwerden der unteren Harnwege länger als sechs Wochen, ohne nachgewiesene Infektion oder andere erklärende Ursache.

Mit oder ohne Hunner-Läsionen

Bei einem Teil der Betroffenen zeigt die Blasenspiegelung typische entzündliche Veränderungen, sogenannte Hunner-Läsionen. Bei anderen fehlen diese. Die Unterscheidung ist für die Einordnung und die Wahl bestimmter Behandlungen wichtig.

Wer ist betroffen?

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung kann in unterschiedlichen Lebensphasen auftreten. Angaben zur Häufigkeit unterscheiden sich erheblich, weil Studien unterschiedliche Diagnosekriterien verwenden. Eine verminderte funktionelle Blasenkapazität kann vorkommen, ist aber nicht bei allen Betroffenen vorhanden.

Ursachen: mehrere Faktoren können zusammenwirken

Die genaue Ursache ist weiterhin ungeklärt. Diskutiert werden Veränderungen der Schutzschicht der Blase, Entzündungs- und Immunprozesse sowie eine erhöhte Empfindlichkeit der schmerzverarbeitenden Nerven. Nicht jeder dieser Mechanismen ist bei jeder betroffenen Person nachweisbar.

Schutzschicht und Blasenwand +

Die Blasenschleimhaut bildet eine Barriere gegen Urinbestandteile. Eine Störung dieser Barriere und der Glykosaminoglykanschicht könnte Reizungen begünstigen. Ob sie Ursache oder Folge der Erkrankung ist, ist nicht abschließend geklärt. Bei schweren Verläufen können Umbauvorgänge die Dehnbarkeit der Blase vermindern.

Nerven, Entzündung und Schmerzverarbeitung +

Eine veränderte Aktivität der Blasennerven, Entzündungsbotenstoffe und Mastzellen werden als mögliche Faktoren untersucht. Anhaltende Schmerzreize können das Nervensystem empfindlicher machen. Diese sogenannte zentrale Sensibilisierung kann zur Dauerhaftigkeit der Beschwerden beitragen.

Immunreaktionen und Forschungsansätze +

Auch immunologische und autoimmune Vorgänge werden diskutiert; ihre genaue Rolle ist unklar. Der im Urin untersuchte antiproliferative Faktor (APF) ist ein Forschungsansatz und kein etablierter Routinetest zur Diagnose.

Infektionen und Antibiotika +

Eine anhaltende bakterielle Infektion als allgemeine Ursache ist nicht gesichert. Frühere Infektionen werden als mögliche Auslöser diskutiert. Ohne nachgewiesene bakterielle Infektion ist eine wiederholte oder langfristige Antibiotikabehandlung in der Regel nicht sinnvoll.

Schmerzen und seelische Belastung

Chronische Blasenschmerzen können Schlaf, Alltag, Partnerschaft und körperliches Wohlbefinden belasten. Ängste oder depressive Beschwerden können hinzukommen. Das bedeutet nicht, dass die Schmerzen eingebildet sind. Eine Betreuung, die körperliche Beschwerden und psychische Belastungen gemeinsam berücksichtigt, kann hilfreich sein.

Wie erfolgt die Abklärung?

Im Mittelpunkt stehen das Gespräch über Ihre Beschwerden, die körperliche Untersuchung sowie Urinuntersuchungen, gegebenenfalls mit Urinkultur. Ein Blasentagebuch kann Häufigkeit, Urinmengen und den Zusammenhang zwischen Blasenfüllung und Schmerzen verdeutlichen. Je nach Befund können Ultraschall, eine Blasenspiegelung oder weitere Untersuchungen erforderlich sein. Eine Gewebeprobe ist nicht bei allen Betroffenen notwendig.

Die weiteren Schritte richten sich nach den Befunden und Ihrer persönlichen Situation. Ziel ist eine verständliche Einordnung der Beschwerden und ein individuell abgestimmtes Vorgehen.

Behandlung: individuell und schrittweise

Es gibt keine Behandlung, die bei allen Betroffenen zuverlässig wirkt. Die Auswahl richtet sich nach den Beschwerden, den Untersuchungsbefunden und möglichen Begleiterkrankungen. Häufig werden mehrere Maßnahmen kombiniert und ihre Wirkung im Verlauf überprüft.

Konservative Maßnahmen ohne Medikamente

  • Entspannung und Stressreduktion: Wärme und Entspannung können Beschwerden lindern. Bei verspanntem Beckenboden können gezielte Physiotherapie und Entspannungsübungen, gegebenenfalls mit Biofeedback, sinnvoll sein. Kräftigungsübungen sind bei einem überaktiven Beckenboden nicht automatisch geeignet.
  • Blasentraining: Bei häufigem Wasserlassen ohne ausgeprägte Schmerzen kann ein behutsames Training helfen. Schmerzhaftes Zurückhalten des Urins sollte vermieden werden.
  • Ernährung: Ein Tagebuch hilft, persönliche Auslöser zu erkennen. Koffein, Alkohol, scharfe Speisen oder saure Getränke können Beschwerden verstärken. Eine pauschal strenge Diät ist nicht erforderlich.
  • Akupunktur: Einzelne Betroffene berichten über eine Besserung; die wissenschaftliche Datenlage ist begrenzt.

Medikamentöse Behandlung

Wirksamkeit, Risiken und Zulassungsstatus unterscheiden sich je nach Präparat und Anwendung. Mehrere Medikamente werden bei IC/BPS außerhalb ihrer zugelassenen Anwendungsgebiete eingesetzt (Off-Label-Anwendung). Darüber muss individuell aufgeklärt werden.

Pentosanpolysulfat (PPS) +

PPS ist für bestimmte Erwachsene mit Blasenschmerzsyndrom und charakteristischen Blasenveränderungen zugelassen. Es soll die Schutzbarriere der Blase unterstützen; ein möglicher Effekt kann erst nach Monaten erkennbar werden. Der Nutzen wird unterschiedlich bewertet. Wichtig sind mögliche Nebenwirkungen, darunter Blutungen und Veränderungen der Netzhaut (Pigmentmakulopathie). Vor und während einer Behandlung sind die empfohlenen augenärztlichen Kontrollen zu beachten.

Schmerzbehandlung und weitere Medikamente +

Amitriptylin kann bei ausgewählten Betroffenen Schmerzen und andere Beschwerden lindern. Müdigkeit sowie weitere Nebenwirkungen und Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden. Antihistaminika wie Hydroxyzin kommen nur nach individueller Abwägung infrage; die Datenlage ist begrenzt. Bei anhaltenden Schmerzen kann eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Ciclosporin bleibt wegen seiner Risiken besonderen Situationen und spezialisierten Einrichtungen vorbehalten.

Weitere vorgeschlagene Medikamente oder Nahrungsergänzungen sind teilweise nur unzureichend untersucht und keine allgemein gesicherte Standardtherapie.

Vaginale Östrogene und Antibiotika +

Bei Frauen nach den Wechseljahren können lokale Östrogene bei begleitenden Schleimhautveränderungen und wiederkehrenden Harnwegsinfekten sinnvoll sein. Sie sind keine spezifische Behandlung für alle Menschen mit IC/BPS.

Antibiotika behandeln bakterielle Infektionen. Eine wiederholte oder langfristige Einnahme ohne nachgewiesenen Infekt wird beim Blasenschmerzsyndrom nicht empfohlen.

Behandlungen direkt in der Blase

Blaseninstillationen

Über einen dünnen Katheter können Wirkstoffe in die Blase eingebracht werden. Je nach Situation kommen beispielsweise Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, Heparin, Lidocain oder DMSO infrage. Einige sollen die Schutzschicht unterstützen, andere Schmerzen lindern. Studienlage, Verträglichkeit und Behandlungsschemata unterscheiden sich. Ein Erfolg kann nicht garantiert werden. Die Kostenübernahme ist vorab für das konkrete Präparat und die Behandlung zu klären.

Hydrodistension und Botulinumtoxin

Eine kontrollierte Blasendehnung unter Betäubung kann diagnostische Informationen liefern und bei manchen Betroffenen vorübergehend Beschwerden lindern. Nutzen und Risiken werden vorher abgewogen. Botulinumtoxin-Injektionen können bei ausgewählten, anderweitig nicht ausreichend behandelbaren Verläufen erwogen werden. Dabei kann eine unvollständige Blasenentleerung entstehen und zeitweise eine Selbstkatheterisierung erforderlich werden.

Interventionelle und operative Möglichkeiten

Behandlung von Hunner-Läsionen

Bei nachgewiesenen Hunner-Läsionen kann eine gezielte endoskopische Behandlung, beispielsweise durch Abtragung oder Koagulation, Beschwerden deutlich lindern. Die Veränderungen können wiederkehren. Punktförmige Blutungen allein sind kein Anlass für dieselbe Behandlung.

Neuromodulation

Verfahren zur Beeinflussung der Nervenaktivität, darunter die sakrale Neuromodulation, können bei ausgewählten schwer behandelbaren Verläufen erwogen werden. Die Evidenz für IC/BPS ist begrenzt.

Größere Operationen als letzte Möglichkeit

Blasenvergrößerung, Harnableitung oder teilweise beziehungsweise vollständige Blasenentfernung kommen nur in seltenen, besonders schweren Fällen nach Ausschöpfung anderer Möglichkeiten infrage. Die Entscheidung gehört in ein erfahrenes spezialisiertes Zentrum. Chronische Schmerzen können auch nach einer solchen Operation bestehen bleiben.

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